Schon bei unserem Nachwuchs fängt´s an. “98 Prozent der Kinder kommen mit gesunden Füßen auf die Welt. Medizinische Studien zeigen, dass aber Fußschäden rund 60 Prozent der Erwachsenen plagen. Durch den Zwang der Kinder in meist viel zu starre, falsch geformte und oftmals zu kleine Schuhe wird die Entwicklung zu kraftvollen und beweglichen Gehorganen behindert", formuliert die Interessensgemeinschaft Barfußpark (www.barfusspark.info).
Schlappe Waschlappen am unteren Ende der Beine ohne Kraft und Form sind die Folgen der aktuellen Kinderschuhmode. Ganz zu schweigen von der bekannten schädlichen Wirkung hoher Absätze im jugendlichen Alter. Gehen Sie mal in ein Sportgeschäft und biegen die Sohle eines Kindersportschuhs: Knochenhart die kleinen Füße der Kids patschen mehr, als dass sie laufen. Selbst die Mini-Sportschuhe von renommierten Herstellern betreiben Augenwischerei - schick, sie sehen aus wie die großen, sind aber zu hart, die Sohlen viel zu dick. Im Vertrauen auf die orthopädische Kompetenz, die Markenhersteller zweifellos in Sachen Running-Schuhe für Erwachsene demonstrieren, kaufen so manche besorgte Eltern genau das Falsche. Dabei ist Abhilfe sogar kostenlos. Barfuß im Freien und zuhause. Und selbst in sogenannten Stoppersocken fühlen sich die Füße zuhause und im Sport richtig wohl. Natürlich brauchen Kinder auch Vorbilder: Im Idealfall teilen Eltern, Lehrer und Erzieher die kindliche Vorliebe für unbeschuhtes Gehen und finden selbst Spaß an der freien Bewegung ihrer Füße.
Und was für Kinder gut ist, hält Erwachsene und selbst eingefleischte Läufer länger am Laufen. Barfuß im Büro und zuhause heißt die Devise. Übersehen Sie selbstbewusst die Verwunderung des Nachbarn, wenn Sie barfuß den Müll vors Haus tragen oder vielleicht sogar einen kleinen Spaziergang ohne Schuhe wagen. Garantiert: Es macht echt Spaß. Natürlich macht ein Marathon auf Asphalt ohne Schuhe wenig Sinn. Für die kompromisslose Härte des modernen Wegebaus sind unsere Füße nicht geschaffen. Wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen. Einer hieß Abebe Bikila. Er gewann 1960 barfuß in Rom olympisches Marathongold. Zwar nicht Gold, dafür aber Ruhm und Ehre heimste der Eschweiler Wolfgang Schönebaum seinerzeit bald alljährlich bei dem Laufklassiker auf dem Nürburgring ein, weil er mehr als 15 mal die 23,8 Kilometer rauhen Asphalt unter seine bloßen Füße nahm. Ein Beweis mehr, dass unser Fuß ein anstrengendes Menschenleben spielerisch übersteht, vorher machen oft andere Organe schlapp.
Der Mensch ist trotz Auto, Flugzeug, Bus und Bahn ständig auf den Beinen. Das ZDF-Magazin Praxis hat errechnet, dass sich bei einer täglichen Laufleistung von nur fünf Kilometern in 75 Jahren 140.000 Kilometer summieren. Dreieinhalb mal um die Erde. Doch manchmal wird es den Wunderwerken aus 26 Knochen, zwei Sesambeinen, 20 Muskeln und 114 Bändern zu viel. Denn: Fuß und Fersenrücken sind für Luft und Sonne gemacht, die dünne Haut an diesen Stellen reibt und hadert daher oft mit Socken und Schuh: Blasenalarm. Die untypische Reibung hat die oberste Hautschicht abgelöst. Eine schmerzhafte Blase, gefüllt mit Gewebsflüssigkeit polstert die entstandene Wunde. Kennt der Läufer seine Schwachstellen, wäre ein Blasenpflaster für uns Laufschuhfüssler die bessere Wahl.
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So schmerzhaft und lästig eine Blase für uns Läufer auch ist, so verdeutlicht sie doch eindrucksvoll die faszinierende Intelligenz, die in den Abläufen des menschlichen Organismus innewohnt. Auch ohne Praxisgebühr und Wohlfahrtsgedanken der Pharmakonzerne kann sich der Körper selbst helfen. Oft sogar wirkungsvoller als mit Medikamenten, deren Nebenwirkungen das sensible Gesamtsystem außer Tritt bringen.
Wer hilft schafft Hilfsbedürftige. Nicht nur die moderne Medizin schafft für so manche Berufsgruppen lukrative Abhängigkeiten. Auch bei den Läufern versperrt manchmal zu viel Gutes den Weg zum angestrebten Ziel. Gemeint sind die Stabilschuhe. Dies soll heißen, wer auf Dauer immer nur in festen Stabilschuhen trainiert, kann ebenso wie Kinder in zu harten Schuhen keine ausgebildete Fußmuskulatur entwickeln. Wer seine Füße mit leichteren Schuhmodellen moderat fordert, findet schneller den Weg zum eleganten lockeren Lauf. Diese Trendwende im Denken ist letztlich auch ein Verdienst der kompetenten Beratungsstrategie der Laufshop-Spezialisten. Die faszinierende Intelligenz des Organismus steckt auch in den Bauplänen und der Statik der Menschen. *Der aufrechte Gang ist eine Erfindung der Evolution, die nur uns Menschen zugute kommt. Der aufrechte Gang erfordert eine perfekte Feinabstimmung der Füße mit den Bewegungen des ganzen Körpers. Für die verschleißfreie Fortbewegung auf unebenen Boden musste die Natur neue Stoßdämpfer-Strategien erfinden. Andererseits braucht der Körper ein Höchstmaß an innerer Stabilität, um kraftvoll und leistungsfähig zu sein. Um diese gegensätzlichen Anforderungen zu erfüllen, hat die Natur den Mensch mit einem perfekten Regelungs- und Steuersystem ausgestattet. Die Hautsinne für Berührung und Druck spielen hierbei eine Rolle, mehr noch Muskelreflexe und der Lage- und Bewegungssinn (Priozeption), der dem Nervensystem die exakte Stellung und Bewegung aller Körperteile, ja selbst des äußersten Zehengliedes meldet. Durch diese Wahrnehmung wird die Bewegung des ganzen Körpers auf den Ablauf des Gehens eingestimmt.
Die Analyse der Laufbewegung von Kindern auf dem Laufband zeigt deutlich die zusätzlichen Bewegungsmöglichkeiten des Fußes, wenn die Ruhigstellung im Schuh entfällt. Zwei Unterschiede sind wesentlich (Quelle Interessensgemeinschaft Barfußpark): Barfuß verlagert sich das Gewicht auf den Vorderfuß, der die Stöße der Laufbewegung perfekt abfedert. Mit Schuhen landet man dagegen hart mit der Ferse, wobei sich die Stöße bis auf den Oberkörper fortpflanzen. Die Zehen bewegen sich beim Barfußgehen viel mehr als in Schuhen. Sie greifen den Boden und drücken danach sehr präzise ab, so dass der nächste Schritt mit einer weichen Landung beginnen kann. In Schuhen kann der Fuß den Bewegungsablauf des Gehens nur sehr unvollkommen ausgeführen. Es werden nur sehr wenige Steuersignale an den übrigen Körper gesendet, und man läuft Gefahr, sich ein zu heftiges Auftreten mit der Ferse anzugewöhnen. Jeder kennt bestimmt im Freundeskreis Leute, die (falls in Strümpfen) sehr unkontrolliert durch die Wohnung poltern. Diese motorisch ungelenke Art des aufrechten Gangs kann den Rücken überfordern. Die Bandscheiben profitieren, weil beim Barfußgehen der natürliche Bewegungsablauf aktiviert wird. Man tritt behutsam auf, dämpft alle Stöße und gleicht alle Unebenheiten automatisch aus. Der Gang wird erschütterungsfrei und erspart den Bandscheiben das zermürbende Klack-Klack der Absätze. Die Wirbelsäule gewinnt an Beweglichkeit, die Bandscheiben behalten ihre elastischen Eigenschaften.
Schmerzhafte Blockaden der Wirbelgelenke können sich beim Barfußgehen lösen, weil der frei bewegliche Fuß die benötigten exakten Steuersignale an die Haltemuskulatur der Wirbelsäule sendet. Diese Muskeln unterliegen nicht dem bewussten Willen und neigen bei Bewegungsmangel zur Überspannung. Unserem Willen aber unterliegt welche Schuhmode wir tragen. Homo Sapiens entscheidet selbst, ob er er nur mit beiden Beinen im Leben steht oder kraftvoll mit gesunden Füßen durchs Leben geht.
Richtige Fußpflege
Schuhe mit hohen Absätzen nein danke. Füße in hochhackigen Schuhen signalisieren, dass es permanent steil bergab geht. “Nach vorne fallende Schultern sind die natürliche Haltung beim Abwärtssteigen und gerade bei jugendlichen Pump-Trägerinnen kann man dies deutlich sehen., warnt www.barfusspark.info. Ganz zu schweigen von den Blasen. Auch Laufsportler kann trotz gutem Schuhwerk bei Wettkämpfen das Blasenschicksal plagen. Wer kritische Stellen kennt, kann diese beispielsweise mit einem Gel-Pflaster schützen. Mit den folgenden 5 Tipps mindern sie das Blasenrisiko.
- Kaufen Sie Laufschuhe nicht am Morgen. Abends sind Ihre Füße breiter und länger.
- Lassen Sie Ihre Füße vermessen (wichtig bei Kindern). Nehmen Sie die Innensohle heraus. Ihr Fuß sollte mindestens einen Fingerbreit kürzer sein als die Sohle. Oft ist der zweite Zeh länger als der Große.
- Satt sitzende Socken tragen, um Falten zu vermeiden. Ziehen Sie keine frisch gewaschenen Strümpfe für längere Läufe oder Wettkämpfe an.
- Leicht schwitzende Füße stets trocken halten, zum Beispiel mit speziellen Pudern oder desodorierenden Cremes oder Fußbädern.
- Fettcreme macht die Haut elastischer. Wanderer schwören auf Hirschtalg.
- Bei starker Beanspruchung helfen auch Blasenpflaster zur Vorbeugung.
Abenteuer für die Füße
Es muss ja nicht gleich ein Barfuß-Marathon à la Abebe Bikila sein, der unsere verschütteten Gefühlswelten und verkümmerte Fußathletik wieder auf Vordermann bringt. Dafür genügen schon wenige hundert Meter. Sucht man im Internet nach dem Stichwort “Barfuß", so findet man überraschend viele Rundwanderwege von ein bis vier Kilometer Länge, die alle unter www.barfusspark.info gelistet sind. Diese Wege haben engagierte Gemeinden extra für das Barfußlaufen eingerichtet. Diese Erlebnisparks für die Füße sind innerhalb kurzer Zeit entstanden und präsentieren sich als lebenslustige Alternativen zum ermüdenden Laufen auf eintönigen Schotter- und Asphaltwegen.
Alleine in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und Pfalz werben mehr als zehn Gemeinden für ihre Parks. Mit dabei: Creglingen im Badischen Frankenland, Dornstetten-Hallwangen im Schwarzwald, Meßstetten auf der Schwäbischen Alb, Penzberg im Alpenvorland und beispielsweise Hausen bei Würzburg. Sogar an einem 24-Stunden Autohof nahe Gramschatzer Wald,(Tel. 09367-984361) an der A7 lockt ein Barfußweg müde Kraftfahrer. Die Gehstrecken von wahlweise 900 Meter oder 3 Kilometer dienen als Naherholungsangebot für Würzburg und Umgebung und als ideales Etappenziel für Autoreisen und Busfahrten (sogar mit Übernachtungsmöglichkeit).
Die Strecken führen hier, ähnlich wie bei den anderen Angeboten, über Wald- und Wiesenboden, auch eine Schlammstrecke ist zu bewältigen. Doch auch festen Boden unter den Füßen findet man auf Abschnitten aus Holz und Stein. Als besonders vielseitige Erlebnisstation wurde ein Rondell mit acht verschiedenen Bodenbelägen gestaltet. Im Verlauf des Rundgangs durch einen freundlichen Laubwald sorgen weitere Fühlstrecken mit verschiedenen Materialien für eine abwechslungsreiche Fußmassage, die den Kopf wieder frei von Alltagsstress oder Reisekopfschmerzen macht. Doch muss man nicht unbedingt ins Auto sitzen, um die neue Freiheit der Füße zu erleben. Sie werden sich wundern, welche reichhaltige Gefühlswelt direkt vor der Haustür liegt.
Quelle:
www.running-pur.de
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