Gemeinsam und verantwortungsbewusst zu Fitness und Wohlbefinden
Geliebt, gehasst, geduldet – der Hund. Zwischen Anhängern und Gegnern brodeln die Emotionen stets auf dem Siedepunkt, nicht erst seit dem „Kampfhundeproblem“ – das in erster Linie ein Halterproblem ist. 5 Millionen Hunde wuseln durch Deutschlands Parks und Wälder. Das entspricht annähernd der gleichen Zahl von Walkern, die Ihren Sport vorzugsweise an den gleichen Orten ausüben. Nicht auszuschließen, dass sich die Wege von Zwei- und Vierbeinern buchstäblich kreuzen. Ideal: Der Hund ist angeleint und ignoriert den Sportler. Im schlimmsten Fall aber könnte „Bello“ nach des Gehers Wade trachten. Besser: Mensch und Tier beschreiten gemeinsam neue Pfade – „Dogging“. Zusammengesetzt ist der Begriff aus dem englischen ‚dog‘ (Hund) und ‚jogging‘. „Gemeint ist damit sportlich orientiertes Training mit dem Hund“, erklärt Kerstin Bastian.
Dass Hunde und Sport sich nicht ausschließen, beweist die promovierte Sportwissenschaftlerin und Hundephysiotherapeutin in ihren Dogging-Kursen an der VHS in Wiehl. Voraussetzungen: „Der Hund muss menschenfi xiert sein, Kommandos lernen und beherrschen. Der Sport ist für fast jeden geeignet. Besonders jedoch zu empfehlen, wenn lange kein Sport mehr gemacht wurde, aber der Hund sowieso raus muss.“ Hinzu kommt bei der „Partner- Bewegungsform“ ein therapeutischer Aspekt: Studien belegen, dass sich die Beschäftigung mit Haustieren positiv auf das Wohlbefi nden ihrer Halter auswirkt. Stress wird reduziert, die Motivation verbessert, Depressionen gemindert, soziale Kontakte geknüpft und das Selbstwertgefühl gesteigert. Davon ausgehend und um den Ausbau der tiergestützten Therapie zu fördern, organisierte der an der Veterinärmedizinischen Universität Wien ansässige Verein „Tiere als Therapie“ am 3. Oktober einen „Fit & Funlauf für Mensch & Hund“. Mehr als 100 Paare beteiligten sich. Und auch beim Ecco Walkathon in Berlin waren Vierbeiner gern gesehene Gäste.
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Bei allem Enthusiasmus muss jedoch klar sein: Die Verantwortung für den Vierbeiner liegt ganz klar beim Halter – Fairness, Toleranz und Kompromissbereitschaft unter Sportlern vorausgesetzt. Also: gegenseitige Rücksichtnahme. Ab und an braucht auch ein Hund „Freigang“. „Angeleinte Hunde können soziale Kontakte zu Artgenossen nur bedingt
und unter starken Einschränkungen ausführen ... Gesteigerte Aggressivität kann das Ergebnis der daraus resultierenden Schäden sein“, warnte wiederholt Dr. Dorit Feddersen-Petersen, Ethologin/ Fachtierärztin für Verhaltens- und Tierschutzkunde vor generellem
Leinenzwang.
Sollte es dennoch zu einer
„mulmigen“ Situation kommen: Besonnenheit. Forsch und zielstrebig gehen. „Angst und Unsicherheit riecht der Hund und fördert seine Neugier“, erklärte Martina Schnell, Haustierreferentin
bei 4 Pfoten. „Rast dennoch ein freilaufender Hund direkt auf uns zu, gebärdet sich aggressiv – stehen bleiben, nicht wild mit Armen oder gar Nordic-Stöcken herumfuchteln.“ Das könne – entgegen andersgearteter Ratschläge – unerwünschte Reaktionen heraufbeschwören: „Der Hund beißt – ausgelöst durch Spiel- oder Beutetrieb oder aber aus natürlichem Abwehrverhalten.“ Mit einer gesunden Portion Verantwortungsbewusstsein werde es möglich sein, sowohl Hunde- als auch Einzel-Walkern den Spaß am Sport zu erhalten.
Trainingstipps von Dr. Kerstin Bastian
Voraussetzung:
Sportkleidung, Walkingschuhe, 2-m-Leine, Leckerchen und/oder Spielzeug, Geschirr für den Hund. Für fortgeschrittene „Dogger“ Bauchgürtel, empfehlenswert Gürtel mit Schnelllösevorrichtung. Übungsplatz suchen, vorher über geltende Verordnungen (Leinenzwang) informieren. Langsam anfangen:
Vor und nach dem Training einige Gymnastikübungen für Mensch und Tier. Eine Grundausbildung des Hundes erleichtert „Dogging“ ungemein. Intervalltraining für Beginner: 1-2 Minuten gemeinsam walken, kurze Pause. Wiederholung, Pause – für kurze Spieleinlagen mit dem Hund oder Gymnastikübungen. Sind beide gut aufeinander eingespielt, können die Strecken wöchentlich verlängert werden. Ziel: 30 min mit dem Hund walken. Achtung: Extreme Hitze vermeiden. Viele Pausen gerade zu Beginn einlegen. Hundetypische Besonderheiten:
Bewegen sich andere Lebewesen schnell und auf direktem Wege auf Sie zu, kann das unter Umständen Alarm bei Ihrem Hund auslösen. Als Halter: Situationen erkennen, reagieren. Wenig hilfreich: „Der tut nichts!“. Besser: Hund ablenken, Richtung wechseln, mittels Kommando das Verhalten beeinfl ussen. Randbemerkung:
Die Hinterlassenschaften unserer vierbeinigen Lieblinge schnellstmöglich beseitigen (ideal: Plastiktüte an Leine mitführen). Schluss:
Viel Spaß haben!
Wissenswert
5 Mio. Hunde – Zahl seit annähernd 5 Jahren konstant – gibt es in Deutschland, davon fast 111.000 in Berlin. Etwa 1.100 mal haben die Hauptstadthunde zugeschnappt – am häufi gsten Mischlinge und Schäferhunde. Seit Einführung der Verordnung zum Halten von Kampfhunden (2002) ging die Anzahl der Bisse um ca. 20 % zurück.
Ansprechpartner & Hilfe
Verein 4 Pfoten: 1988 in Wien mit Schwerpunkt Tierschutz gegründet, seit 1994 auch in Deutschland. Tel.: 040/3992490, www.4-pfoten.de Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Sachkundenachweis, Ausbildung. Tel. 0231/565000, www.vdh.de VHS Oberbergischer Kreis, Abt. Wiehl: Dogging – Walking mit Hund/Kurs. Tel.: 02262/9113, Mail: wiehl-ticket@wiehl.de Hunde helfen Menschen e.V.: „Keine Angst vorm großen Hund“, Mitglieder kommen in Schulen und Gruppen, Umgang mit Hunden, Angstabbau. Tel.: 05193/ 975323, www.huhmen.de Tiere als Therapie: Förderung Einsatz der „tiergestützten Therapie“ – wissenschaftlich anerkannte Methode (Verbesserung von Integration u. Lebensqualität kranker bzw. behinderter Kinder und Erwachsener. www.tierealstherapie.org
Literatur:
„Dogging“ von Lily Merklin (Kosmos-Verlag).
Quellen:
Zentralverband Zoologischer Fachverbände Deutschlands e.V., Senatsverwaltung für Soziales Berlin, Statistisches Bundesamt, Dt. Walkinginstitut, Veterinärmedizinische Universität Wien, Studie der Universität Buffalo/USA
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