"Golfplätze werden immer wilder"
Rainer Sturm / pixelio.de
Mit mehr als 700 Golfplätzen gehört Deutschland zu den „golfreichsten“ Ländern der Welt. Allein in den letzten 10 Jahren sind rund 100 neue Plätze eröffnet worden. Marco Paeke, Geschäftsführer der Vereinigung clubfreier Golfspieler e.V. (VcG), erfuhr von Thomas Himmel, einem der bekanntesten deutschen Golfplatz-Architekten, mehr über die Herausforderungen des Golfplatzbaus und die schönsten Plätze für Einsteiger und Profis.
Marco Paeke: Herr Himmel, Sie haben sich als Architekt von Golfplätzen einen Namen gemacht. Zeichnet sich ein aktueller Trend im Golfplatzbau ab? Hat man vor 20 Jahren anders gebaut?
Thomas Himmel: Wir haben weltweit vor 20 Jahren viel aufwändiger gebaut. Der Trend geht aus ökologischen, finanziellen und auch sozialverträglichen Gründen zu nachhaltigeren Plätzen, die mit den Ressourcen sorgfältiger umgehen. Ein gutes Beispiel ist der Umbau von Pinehurst No. 2 in North Carolina in den USA, eines der berühmtesten Plätze der Welt. Man hat den Platz anhand von alten Bildern näher an seinen ursprünglichen Zustand gebracht. Die Rasenfläche wurde um etwa 45 Prozent reduziert und die dadurch entstandenen, ursprünglichen, sandigen Flächen als optisches Element genutzt. Die Wasser- und Düngergaben reduzieren sich um 50 Prozent, die Emissionen der Pflegemaschinen um 45 Prozent. Dieser Platz gibt momentan den Trend besonders deutlich wieder. Viele neue und preisgekrönte Plätze der letzten Jahre sind extrem „wild“ und naturnah gestaltet worden.
MP: Wie viel Fläche benötigt man für einen 18-Löcher-Golfplatz? Was kostet der Bau eines Platzes im Schnitt und wer gibt den Bau in Auftrag?
TH: Grundsätzlich wird ein „normaler“ 18-Löcher-Golfplatz mit Clubhaus, Parkplatz und Driving-Range bei einem nicht zu komplizierten Gelände ab 65 Hektar attraktiv und interessant. Auf Grund der behördlichen Richtlinien und Auflagen können mehr als 80 Hektar für einen Golfplatz notwendig werden. Dies schränkt aber die Möglichkeiten für neue Anlagen sehr ein. Die Kosten liegen ohne Infrastruktur und Gebäude je nach Bodenbeschaffenheit und Topografie bei rund 2 bis 2,5 Millionen Euro. Auftraggeber können viele sein wie Privatinvestoren, Hotels bzw. Hotelketten oder Gesellschaften.
