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Sich da draußen wieder finden

Balancebringer Natur: Therapie für Körper und Geist

Wind zaust die Haare, treibt kleine Sandkörnchen auf die Haut. Monotones Rauschen, ganz im Takt der Brandung, erreicht die Ohren. Ein Hauch von Salz legt sich auf die Schleimhäute, ist gleichermaßen zu riechen und zu schmecken. Dazu diese schier unendliche Weite: das Meer verschmilzt mit dem Horizont - einfach atemberaubend. Alle Sinne sind wach, arbeiten auf Hochtouren und doch kann der Mensch entspannen, Stress abbauen, die „Batterien“ aufladen.

 

Balancebringer Natur: Therapie für Körper und Geist
Quelle:
Fit mit Walking

Aber nicht nur die See beeinflusst die Stimmung positiv. Schöne Landschaften im Allgemeinen − farbenprächtig, still, mit Flora und Fauna − lassen die Hektik des Tages vergessen, ein klingendes Telefon, Termine und berufliche Probleme in den Hintergrund treten, vermitteln ein ganz eigenes Wohlfühlgefühl. Spazierengehen, Walken oder Wandern in der Natur − eine brauchbare Therapie gegen Stress?

Studien ergaben, dass immerhin 40 Prozent der Deutschen gern häufiger in landschaftlich schöner Umgebung wandern würden, wobei das Durchschnittsalter der Naturfreunde bei 45 Jahren liegt, der Anteil der 20- bis 29- Jährigen aber stetig steigt. Und: Nur 11 Prozent der befragten 30-Jährigen sagten, dass Wandern etwas für alte Laute sei. Bei Studenten liegt diese Art der Entspannung neben Ski fahren und Joggen sogar auf Platz 2 − gleich nach Schwimmen und Radeln. Also, nichts wie raus in die Natur. Zum einen belebt es den Körper: es wird vermehrt Sauerstoff aufgenommen, welchen das Herz durch die Adern pumpt.


Ergebnis: Der Stoffwechsel wird sanft auf „Touren“ gebracht, die Pulsfrequenz geht zurück und Blutdruck sinkt ein wenig. Dies alles sind Anzeichen dafür, dass sich der Körper entspannt. Auch die Psyche profitiert von Naturerlebnissen, speichert neue Energie. Warum? Weil die Natur unsere fünf Sinne gleichermaßen beansprucht und sie dadurch neu aufl eben. Das betont auch Dr. Rainer Brämer von der Forschungsgruppe Wandern der Universität Marburg immer wieder. Der Natursoziologe und -psychologe hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und zahlreiche Studien dazu veröffentlicht. Er stellte fest: „Im alltäglichen Leben ist die Anforderung an unsere Sinn zu unterschiedlich. Die Belastung oft einseitig.“ So könne es leicht passieren, dass einige Sinne unterfordert, andere aber überfordert würden. Erschwerend wirkt sich die Beschränkung auf Hören und Sehen aus: Computer, Fernseher, Telefon, Auto. Das bedeutet Stress. Und dieser Druck erhöht sich. Nicht zuletzt, weil in der heutigen Zeit „nur die Leistung zählt“.

Das Eintauchen in die Natur bringt den Menschen psychisch wieder in Balance: er wird gefordert, gleichmäßig, aber ohne Anstrengung. Eine Auszeit vom Alltag. Brämer: „Die Menschen müssen sich da draußen wieder finden.“ Die Ursprünge dieser Erholungstherapie sind auf die Entwicklung unserer Vorfahren zurückzuführen, davon ist der Marburger Experte überzeugt. So würden alte stammesgeschichtliche Muster beeinfl usst, ob eine Landschaft gefällt oder nicht. Die Sammler und Jäger favorisierten Gegenden, die Wasser und Nahrung sowie Schutz vor Feinden boten. Geblieben ist ein Faible für Aussichtspunkte oder Wasserläufe. Beeinf usst wird dadurch die Wahl für den Urlaubsort, die Wochenendtour oder den Kurzausflug. So überkommt den Betrachter am Meer beispielsweise ein Gefühl der Schwerelosigkeit und Weite. Die Berge vermitteln Abstand zur Monotonie des Alltags. Brämer geht sogar noch einen Schritt weiter: „Es ist das selbe Gefühl, das wir haben, wenn wir uns verlieben.“

Quellen:
Veröffentlichungen von Dr. Rainer Brämer, Forschungsgruppe Wandern der Universität Marburg, Profi lstudie Wandern 2001

Quelle:
Fit mit Walking

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