Die Strecke führte vom atlantischen Ozean in
Portugal über Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Weißrussland
bis Russland. Für ein interessantes Laufprofil sorgten unter anderem die
Pyrenäen, Ardennen, Eifel und der Harz. Hier galt es im Besonderen, mit den
Kräften sparsam hauszuhalten, um nicht vorzeitig heimfahren zu müssen. Die
Gefahr zu überziehen lag täglich auf dem Fuß.
Aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Gesetze stellte dieses
Vorhaben auch in Hinsicht der Organisation alles bisher da gewesene in den
Schatten. Gut zwei Jahre hat Ingo Schulze für die Planung und Organisation
gebraucht. Visa-Bestimmungen mussten erkundet und Genehmigungen eingeholt
werden. Unterkünfte wurden mühsam aufgetrieben und geordert. Hier galt es,
einen angenehmen Kontakt zu den Behörden vor Ort aufzubauen, was durch die
vielen unterschiedlichen Sprachen ein schwieriges Unterfangen war. Ferner
mussten auch die Betreuer- und Transportfahrzeuge gemietet oder ausgeliehen
werden. Zeitweise 60 Läufer und Betreuer wollten ernährt werden. Das ganze
tonnenschwere Gepäck musste täglich zum Zielort transportiert werden.
Außerdem benötigten wir Helfer mit Übersicht, welche die Strecke mit
Pfeilaufklebern und Kreidepfeilen markierten. Hier mein herzlicher Dank an
Ingo und alle Betreuer für diese Wahnsinnsleistung!
Zu meiner Person:
Ich bin 1965 geboren, Augenoptikermeister und war bis dato engagierter
Freizeitläufer. Ich laufe seit 1987 und habe bereits etwa 90 Marathonläufe
und 30 Ultramarathonläufe absolviert. Im Jahre 2002 wurde ich Deutscher
Meister im 100-km-Bahnlauf. Dies war bis dahin mein bisheriger Höhepunkt in
meiner Karriere. Seit ich vom Transeuropalauf erfuhr, steigerte ich mein
Training und testete meine Ausdauer bei einem Zwölf- und 24-Stundenlauf.
Auch an einem Etappenlauf über sechs Tage nahm ich erfolgreich teil. Dies
war also meine spärliche Erfahrung im Multi-Day-Race. Aber mein tägliches
umfangreiches Training lieferte mir ohnehin einiges an Wissen und Erfahrung
für die große Herausforderung "Transkontinentallauf". Mein Ziel war es, mit
einem Lächeln in Moskau anzukommen und mich mit der Weltspitze messen zu
dürfen. Ich hatte dabei schon im Auge, einen der drei ersten Siegerplätze zu
belegen.
Zur Realisierung meines Zieles steigerte ich mein Training von circa 160 km
wöchentlich seit Anfang 2002 kontinuierlich, um meine Ausdauerwerte zu
optimieren und meine Psyche an das Ganztagslaufen zu gewöhnen. Meine
Trainingshöhepunkte mit bis zu 125 Kilometer Laufen am Tag setzte ich im
Winter. Hier war es besonders schwer, sich für z. B. eine 3. Tageseinheit am
Abend zu motivieren, um die Trainingsvorgabe von bis zu 1.800 km im Monat zu
erfüllen. Ich trotzte der Kälte durch optimale Funktionskleidung in mehreren
Lagen. Die bildliche Suggestion des Zieleinlaufes in Moskau motivierte mich
in anstrengenden Phasen des Lauftrainings. Disziplin ist oberstes Gebot,
wenn man Erfolg im Sport haben möchte. In der Vorbereitung erzog ich mir
Bescheidenheit an, indem ich auch in den Wintermonaten öfters im Freien auf
der Terrasse übernachtete. Selbst wenn es schneite, blieb ich draußen.
Ferner bestand meine Nahrung aus wenigen Grundnahrungsmitteln wie
Vollkornbrot pur, Quark, Obst, Karotten und sonstiges Gemüse. Meine
Hauptgetränke waren Apfelsaftschorle und die Ultra-Sports-Getränke-Serie.
Der Nährwert der festen Nahrung war wichtig, Geschmack weniger. Ziel war es,
meine Erwartung und Ansprüche runterzuschrauben, um gewappnet zu sein für
die unterschiedlichen Gegebenheiten der zu durchquerenden Länder.
Meine Ausrüstung für den Transeuropalauf glich ich mit den Erfahrungen
vergangener Laufjahre ab. So benötigte ich unter anderem acht Paar
Laufschuhe, zehn Sätze Laufbekleidung in kurz und halblang. Zwei Sätze
langer Bekleidung für kalte Tage und Unmengen von Pflastern zum Schutz der
Brustwarzen gegen Reibung. Ferner ist Fußbalsam und Vaseline unverzichtbarer
Bestandteil der Ausrüstung gegen Blasen an den Füßen, Hautabschürfungen an
den Oberschenkelinnenseiten und unter den Achseln. Um einer
Knochenhautentzündung keine Chance zu geben, schnitt ich sogar meine neuen
Laufsocken jeweils vorne am Bund fünf Zentimeter ein, damit kein Druck am
Schienbein entstand, der sich über 5036 Kilometer summieren und zur
Entzündung entwickeln könnte. Zur Fußpflege gehört ebenfalls eine
Nagelschere und eine Nagelfeile, um täglich selbst kleinen Blasen und
Reibestellen vorzubeugen.
Das Rennen
Portugal: Der Startschuss zum längsten und vielleicht härtesten Wettrennen
der Menschheitsgeschichte fiel am 19. April 2003 vor dem historischen
Seefahrerdenkmal, dem "Torre de Belem", in der malerischen Hauptstadt
Portugals namens Lissabon. Wir brachen unter großem Interesse der Medien zum
längsten jemals veranstalteten Wettrennen zu Fuß auf. Die 37 Läufer und
sieben Läuferinnen liefen die ersten acht Kilometer bis zum Hafen gemeinsam
in der Gruppe ohne Zeitwertung. Nach der Überfahrt über den Fluss mit der
Fähre begann die offizielle Zeitmessung. Bei den weiteren Etappen starteten
wir in zwei Gruppen. Die erste langsamere Gruppe startete um 6:00 Uhr und
die Schnelleren um 7:00 Uhr morgens. Daher war meist um 4:45 Uhr Wecken
angesagt. Der frühe Start war vor allem in heißen Gefilden, wie Portugal,
Spanien und Frankreich sehr angenehm, da wir in der Kühle des frühen Morgens
loslaufen durften. Ich benötigte einige Etappen, um meinen Körper und meinen
Verstand an diese Herausforderung zu gewöhnen. Man neigt dazu, die ersten
Tage zu schnell zu laufen und sich mit den anderen an der Spitze mittels
Zielsprints zu messen. Diesen Lauf kann man allerdings nur finishen, wenn
man seine Kräfte exakt einteilt und nur von Etappe zu Etappe denkt. Dies
wurde immer deutlicher, je länger das Rennen andauerte. Fast täglich fiel
ein Läufer aus dem Rennen, weil er das Zeitlimit von zehn Minuten pro
Kilometer überschritten hatte oder zu erschöpft zum Weiterlaufen war. Auch
ich wurde etappenweise sehr langsam und kam weit hinter dem Tagesschnellsten
ins Ziel. Der Körper pendelte seine Leistung allmählich ein und der Verstand
entwickelte sich zur Vernunft. Die Balance zwischen Körper und Geist prägte
sich nun aus. Der Tagesablauf wurde von fünf Worten bestimmt: Laufen,
Essen, Trinken, Massage und Schlafen.
Spanien: In Spanien erlebten wir die heißesten Tage mit bis zu 38 Grad
Celsius im Schatten. Nur hatten wir auf den Straßen selten Schatten durch
Bäume oder Häuser. Der tägliche dichte Straßenverkehr war hier besonders
gefährlich und lungenbelastend. Ich war froh, wenn wir Sonntag hatten, da an
diesem Tag keine Lastwagen fuhren und der Berufsverkehr ausblieb. Besondere
Strapazen durchlitten wir beim Durchqueren der Pyrenäen, da die ohnehin
müden Muskeln hier extrem durch die Höhenmeter in der Hitze beansprucht
wurden. Nur dank der besonnenen Kräfteeinteilung gelang mir ein würdiges
Ankommen im täglichen Etappenziel.
Frankreich: In Frankreich begann die Schlechtwetterphase. Wir hatten morgens
die ersten Stunden beinahe täglich Nebel und Regen. Dies forderte die
Funktionalität unserer Bekleidung stark heraus. Der Bewegungsapparat
benötigte bei diesen niedrigen Temperaturen meist zwei bis drei Stunden, bis
er geschmeidig funktionierte. Aber selbst Hagelschauer hielten mich nicht
davon ab, das Abenteuer Transeurope-Footrace zu genießen. Das Essen war, wie
man es in Frankreich kennt und immer wieder hört, ein Festmahl. Das Angebot
war reichlich und vielfältig. Wer mochte, wurde allabendlich mit köstlichem
Rotwein versorgt. Besonders habe ich mich über die Begeisterung einer
älteren Dame gefreut. Sie kam wohl gerade mit dem Fahrrad vom Einkaufen. Als
sie Martin Wagen und mich laufen sah, hielt sie spontan an, klatschte uns
Beifall und feuerte uns energisch an. Solche Erlebnisse sind die
Anstrengungen des Tages wert.
Belgien: Besonders die Bauweise der Häuser und das verwendete
Ziegelsteinmaterial fiel mir in Belgien auf. Die Dörfer haben dadurch etwas
Gemütliches. In Belgien blieb mir der zweite Abend in Erinnerung, wo uns das
Unternehmen Bayer AG zum Dinieren in ein kleines, feines Restaurant einlud
und auch die Getränkekosten übernahm. Ich saß in einer netten kleinen
internationalen Runde mit Hans-Jürgen Schlotter aus Deutschland, Andrej
Gondas aus der Slowakei und Carlos Alberto Machado aus Brasilien. Endlich
einmal hatten wir auch andere spannende Themen außer dem Laufen diskutiert.
Hans-Jürgen hatte als Landschaftsgärtner viel zu erzählen, Carlos ist Pilot
von Passagier-Flugzeugen und Andrej hilft bei der Obsternte in Südtirol.
Deutschland: In Deutschland hatten der Gesamtzweite, Martin Wagen aus der
Schweiz, und ich einen Friedenspakt geschlossen. Wir einigten uns darauf,
die deutschen Etappen zusammen zu laufen. Ziel war es, die Kräfte zu
schonen, weil so Positionskämpfe ausblieben und der Gegenwind jeweils nur
einem ins Gesicht blies. So konnten wir den Abstand zu den Verfolgern fast
täglich um eine halbe Stunde ausbauen, um uns in Polen dann zu zweit einen
definitiven Show-Down liefern zu können. Das gleichmäßige Tempo in diesen
Tagen der "Zweisamkeit" ermöglichte uns lange Gespräche und wir erzählten
uns lustige Anekdoten. Immer wieder standen begeisterte Zuschauer am
Straßenrand, die klatschten oder uns fotografierten. Apropos fotografieren:
Immer wieder fuhren TV-Sendewagen neben uns her und im Ziel interviewten
mich Journalisten. Ferner wurden wir vom ARD-Morgenmagazin fast täglich
begleitet. Hier konnten die Zuschauer in Deutschland das Rennen und die
Begleitumstände live miterleben. Die Bildzeitung betitelte mich mit
"Laufgigant", die Nürnberger Nachrichten nannten mich den
"Grenzüberschreiter" und etliche Zeitungen berichteten von der
Herausforderung des längsten Rennens seit Menschengedenken. Der Medienrummel
war eine schöne neue Erfahrung für mich und eine enorme Steigerung des
Bekanntheitsgrades für den Ultramarathonlauf in Europa.
Polen: In Polen wurde Dusan Mravlje, dem Sieger des Transamerikalaufes in
1995 und seiner 24jährigen Tochter Neza, dem Klischee entsprechend in der
ersten Nacht das Auto aufgebrochen. Viele Helfer und Läufer machten sich
schon Sorgen, was uns in den nächsten Tagen noch alles zustoßen würde. Aber
die Befürchtungen erfüllten sich nicht. Die Polen sind sehr interessiert
gewesen am Transeuroparennen und waren äußerst gastfreundlich. Nahezu jeden
Abend wurden wir vom ansässigen Bürgermeister empfangen und zum
reichhaltigen, wohlschmeckenden Abendessen eingeladen. Begleitet wurde das
jeweilige Festmahl immer von netten Volkstanzvorführungen oder
Musikdarbietungen der Bevölkerung. Zum Frühstück gab es wie in allen
Etappenorten meist reichlich Brot oder Brötchen, dazu Marmelade und Käse,
manchmal Wurst und immer Kaffee zur Stärkung. Wer allerdings recht spät zum
Tresen kam, ging auch schon mal leer aus, da einige Mitreisende sich aus dem
Frühstücksfundus auch für den Nachmittag Vorräte angelegt hatten.
Weißrussland: Die problematischsten Umstände hatten wir in Hinsicht auf
Nahrung, Unterkunft und Hygiene im äußerst armen Weißrussland. Wir hatten
abends zwar reichlich, aber qualitativ minderwertiges Essen zur Verfügung.
Oft gab es keine Supermärkte vor Ort, so dass wir uns auch in der
Nahrungsmenge beim Frühstück beschränken mussten. Abends gab es statt
Nudeln, Obst und Gemüse nur Pommes und zähes, fettiges Fleisch. Wir
übernachteten in teilweise abbruchreifen Turnhallen und waren manchmal in
Herbergen untergebracht, deren Mobiliar schon einige Generationen ohne
Möbelpflege überstanden hatte. Es war hier sehr unhygienisch. Ich zog es
vor, möglichst nichts anzufassen und vermied es ferner, die stark
verschmutzen Toiletten zu benutzen. Selbst duschen war nur per Anreise in
Waschhäuser möglich. Diese Anlagen waren sehr ungepflegt und das bräunliche
Duschwasser stank meist nach Rost.
Russland: Russland ist in meinen Erinnerungen das Land der inneren Leere.
Durch die vielen harten Lauftage bedingt, sehnten meine Kameraden und ich
nur noch das Ziel in Moskau herbei. Es war nach so vielen Tagen nur schwer
möglich, positive Gedanken beim Laufen zu fassen und das Gehirn mit
Erlebnissen zu füllen. Das monotone Laufen auf dem Standstreifen der
Autobahn forderte unser Gemüt aufs Ganze. Ferner war es hier wichtig, den
Boden ständig konzentriert im Auge zu behalten, um nicht zu stolpern und so
am Ende verletzt aus dem Rennen auszuscheiden. Ständig waren riesige
Schrauben und Nägel in den Asphalt gebohrt, die einige von uns, und auch
mich, stürzen ließen. Ich trug Abschürfungen an den Innenflächen der Hände
davon. Damit konnte ich leben. Manfred Leismann, der Ideengeber des
Transeuropalaufes und Mitläufer, musste am vorletzten Tag nach einem
heftigen Sturz aufs Kinn noch im Krankenhaus genäht werden. Trotzdem
entwickelte sich eine leichte Freude, je näher wir dem Zieleinlauf kamen. Am
Platz des Sieges in Moskau war es dann soweit. Die letzte Etappe war nur 9.6
Kilometer lang und wurde als Gruppenlauf ohne Zeitnahme absolviert. Schon
hier wurden wir von Journalisten und Fernsehteams begleitet. Am Platz des
Sieges wurde ich überwältigt von der Anwesenheit von dutzenden Presseleuten
und vielen Zuschauern. Dafür alleine hat es sich gelohnt, die Strapazen auf
sich zu nehmen. Ich gewann das Transeuroparennen in 480 Stunden und 29
Minuten. Zweiter wurde Martin Wagen aus Basel mit gut 14 Stunden Rückstand.
Ich betrachte jeden der 22 Finisher als einen Sieger. Jeder der Glücklichen,
die am Kreml geehrt wurden, hat Außergewöhnliches geleistet. Als Anerkennung
dafür erlebten wir in Moskau eine tolle Abschlussfeier, gesponsert von
Bayer. Der mir überreichte Pokal war fast so groß wie ich.
Partner und Voraussetzungen
Ich konnte diesen Lauf über 5.056 km in 480 Stunden gewinnen, da ich mich in
vielen Parametern professionell vorbereitet habe: Mein Freund, der
Extremradfahrer Hubert Schwarz, ist ein erfahrener Mentaltrainer und
vielbeachteter Buchautor. Er lehrte mich bei langen Läufen und Sitzungen in
neurolinguistischem Programmieren, positives Denken und Autosuggestion. Mein
Lauftraining erhöhte ich stetig auf bis zu 520 km in der Woche mit Betreuung
durch Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler). Hierbei achteten wir
besonders auf den stetigen Wechsel von Be- und Entlastungsphasen, um dem
Körper Zeit zum regenerieren zu geben und damit er sich an die neuen Niveaus
adaptieren konnte. Bei bis zu vier Trainingseinheiten pro Tag mit
überwiegend langen, langsamen Dauerläufen und teilweise sehr schnellen
Tempoläufen konnte ich meinen Körper an die bevorstehende Herausforderung
gewöhnen. Gelaufen bin ich überwiegend auf Asphalt, da der Transeuropalauf
ebenfalls zu 99 Prozent auf Asphalt gelaufen wurde. Zum Beispiel liefen wir
in Weißrussland und Russland fast ausnahmslos auf dem Seitenstreifen der
Autobahn. Abgerundet wurde das Lauftraining mit Massagen, Physiotherapie und
Ausgleichsgymnastik für Rücken und Bauch. Mein Körper sollte komplett
trainiert sein, damit das Ziel, Moskau mit einem Lächeln zu erreichen, ein
wenig wahrscheinlicher wurde.
Bei 5.000 Kilometern wird vor allem die Wirbelsäule enorm belastet. Deshalb
ist der Muskelaufbau des Stützapparates von Bedeutung. Mehrere Test- und
Qualifikationsläufe, wie der 24-Stundenlauf in Fellbach-Schmiden und der
Spreelauf über 420 Kilometer in sechs Tagen, den ich gewann, sollten mein
Selbstvertrauen stärken und mich für die Teilnahme am Transeuropalauf
qualifizieren. Hier konnte ich erste Erfahrungen im Extrembereich sammeln
und diese für den bevorstehenden Mammutlauf positiv einsetzen. Zusätzlich
kam eine Ernährungsumstellung auf vegetarische Kost mit hinzu. Diese
Maßnahme bewirkte eine Gewichtsreduktion von zehn Kilogramm. Fett wurde so
abgebaut und Muskelmasse aufgebaut Ich habe bis vor zwei Jahren ferner noch
30 Zigaretten geraucht und im Schnitt täglich vier Bier konsumiert. Da ich
unbedingt am Transeuropalauf teilnehmen wollte, war mir wichtig, gut
vorbereitet zu sein. Ich strich Alkohol und Zigaretten aus meinem nun
gesünderen und glücklicheren Leben. Um die nötige Zeit für Training und
Planung zu haben, kündigte ich meinen Job als Augenoptikermeister und
Filialleiter. Ein Jahr Berufspause investierte ich gerne für mein
sportliches Lebensziel. Meine Rücklagen aus vergangenen Jahren finanzierten
mir die Vorbereitungszeit und das nötige Material. Mein neugewonnener
Sponsor, BÄR Schuhe zum Wohlfühlen, unterstützte mich zusätzlich in der
Etatverwirklichung beispielhaft und fertigte mir vor allem spezielle
Laufschuhe mit optimaler Dämpfung und Haltbarkeit an. Besonderen Rückhalt
gab mir meine Familie durch Frau Ursula und die Kinder Oliver, vier Jahre,
und klein Franziska mit nun fünf Monaten. Mir war natürlich bewusst, dass
ich mich immer auf einem schmalen Pfad der Toleranzgrenze befand und wir
planten viel Zeit für Gespräche ein. Gerade die intensive Kommunikation in
der Vorwettkampfphase sorgte für ideales Verständnis der Bedürfnisse und
Ziele beider Partner. Ihnen allen gebührt mein unschätzbarer Dank für diese
Rückenstärkung und Basis meines Erfolges. Ohne ein funktionierendes Team
wäre das Ankommen in Moskau sicherlich mit mehreren Fragezeichen verbunden
gewesen. Das Team gab Planungssicherheit und Zuversicht.
Warum habe ich mir so etwas angetan? Motivation
Mit dem Transeuropalauf wollte ich meine physischen und psychischen Grenzen
kennen lernen. Mich mit der Weltspitze als Debütant zu messen war mein Ziel.
Und mit einem Lächeln laufend in Moskau ankommen war mein Traum. Es ist mir
gelungen! Das Privileg zu besitzen, sich für so ein Ultra-Event qualifiziert
zu haben allein war schon Motivation genug, diese Strapazen auf sich zu
nehmen. Meine Begeisterung für das Laufen war die Triebfeder. Die
Leidenschaft zur Natur war mein Kraftspender und die Suche nach dem Extremen
ist meine Erfüllung. Die Kraft des Willens wollte ich bestätigen. Mein
Motto: "Ich kann es, ich will es und ich schaffe es" suchte nach
Bestätigung. Ich wollte in diesem harten Rennen mein Potential entfalten und
durch diese unglaubliche Leistung beweisen, dass man mittels innerer Stärke
nahezu jedes Ziel erreichen kann. Denn: "Erfolg ist machbar!" Jeder Mensch
sollte Visionen haben. Das Leben ist viel zu kurz, um nichts daraus zu
machen. Wer durch Träume motiviert ist, wer diszipliniert ständig in Etappen
daran arbeitet, ein Ziel zu erreichen, der wird es schaffen! Plane den
Erfolg! Das Ziel muss im Kopf sein, denn der Horizont verheißt nur
Unendlichkeit. Mit der Kraft der Gedanken kann man nahezu alles schaffen und
jedes Ziel erreichen.
Fazit und Pläne
Der Transeuropalauf war der längste und für mich persönlich der vielleicht
härteste Wettlauf, der jemals auf diesem Globus stattfand. Nun werde ich es
genießen, davon berichten zu dürfen und eine Weile im reduzierten Umfang zu
laufen, damit mein Körper sich von den Strapazen ganz erholen kann. Ich habe
ferner eine neue berufliche Herausforderung gefunden, auf die ich mich nun
mit Freude vorbereite, um einen optimalen Einstieg zu finden. Das Laufen
betreffend, habe ich einen weiteren Traum in meinen Gedanken: Ich würde
gerne als erster Mensch um die Welt rennen. Ich stelle mir eine interessante
Route von etwa 22.000 Kilometer Landweg vor, die ich in 220 Tagen erlaufen
möchte. Wann ich mir diesen Traum erfülle, ist nicht so wichtig, aber dass
ich ihn einmal verwirkliche, davon bin ich überzeugt.
Quelle:
condition
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