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Transeuropalauf

Das längste Wettrennen der Menschheitsgeschichte

Ein Bericht des Siegers Robert Wimmer

Am Ostersamstag, den 19. April, starteten 37 Läufer und sieben Läuferinnen zum Transeurope-Footrace, dem ultimativen Ausdauertest von Lissabon nach Moskau. Die Teilnehmer waren aus aller Welt angereist. 14 Nationen, darunter z. B. Läufer aus USA, Japan, Brasilien, Finnland, Frankreich, Italien, Schweiz, Slowenien und Deutschland waren vertreten. Zu bewältigen waren in 64 Tagen ohne Ruhetag durchschnittlich knapp 80 km täglich in einer Gesamtdistanz von 5.036 km. Das entsprach der Länge von 119 Marathonläufen ohne große Regenerationspausen.


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Die Strecke führte vom atlantischen Ozean in Portugal über Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Weißrussland bis Russland. Für ein interessantes Laufprofil sorgten unter anderem die Pyrenäen, Ardennen, Eifel und der Harz. Hier galt es im Besonderen, mit den Kräften sparsam hauszuhalten, um nicht vorzeitig heimfahren zu müssen. Die Gefahr zu überziehen lag täglich auf dem Fuß.

Aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Gesetze stellte dieses Vorhaben auch in Hinsicht der Organisation alles bisher da gewesene in den Schatten. Gut zwei Jahre hat Ingo Schulze für die Planung und Organisation gebraucht. Visa-Bestimmungen mussten erkundet und Genehmigungen eingeholt werden. Unterkünfte wurden mühsam aufgetrieben und geordert. Hier galt es, einen angenehmen Kontakt zu den Behörden vor Ort aufzubauen, was durch die vielen unterschiedlichen Sprachen ein schwieriges Unterfangen war. Ferner mussten auch die Betreuer- und Transportfahrzeuge gemietet oder ausgeliehen werden. Zeitweise 60 Läufer und Betreuer wollten ernährt werden. Das ganze tonnenschwere Gepäck musste täglich zum Zielort transportiert werden. Außerdem benötigten wir Helfer mit Übersicht, welche die Strecke mit Pfeilaufklebern und Kreidepfeilen markierten. Hier mein herzlicher Dank an Ingo und alle Betreuer für diese Wahnsinnsleistung!

Zu meiner Person:

Ich bin 1965 geboren, Augenoptikermeister und war bis dato engagierter Freizeitläufer. Ich laufe seit 1987 und habe bereits etwa 90 Marathonläufe und 30 Ultramarathonläufe absolviert. Im Jahre 2002 wurde ich Deutscher Meister im 100-km-Bahnlauf. Dies war bis dahin mein bisheriger Höhepunkt in meiner Karriere. Seit ich vom Transeuropalauf erfuhr, steigerte ich mein Training und testete meine Ausdauer bei einem Zwölf- und 24-Stundenlauf. Auch an einem Etappenlauf über sechs Tage nahm ich erfolgreich teil. Dies war also meine spärliche Erfahrung im Multi-Day-Race. Aber mein tägliches umfangreiches Training lieferte mir ohnehin einiges an Wissen und Erfahrung für die große Herausforderung "Transkontinentallauf". Mein Ziel war es, mit einem Lächeln in Moskau anzukommen und mich mit der Weltspitze messen zu dürfen. Ich hatte dabei schon im Auge, einen der drei ersten Siegerplätze zu belegen.

Zur Realisierung meines Zieles steigerte ich mein Training von circa 160 km wöchentlich seit Anfang 2002 kontinuierlich, um meine Ausdauerwerte zu optimieren und meine Psyche an das Ganztagslaufen zu gewöhnen. Meine Trainingshöhepunkte mit bis zu 125 Kilometer Laufen am Tag setzte ich im Winter. Hier war es besonders schwer, sich für z. B. eine 3. Tageseinheit am Abend zu motivieren, um die Trainingsvorgabe von bis zu 1.800 km im Monat zu erfüllen. Ich trotzte der Kälte durch optimale Funktionskleidung in mehreren Lagen. Die bildliche Suggestion des Zieleinlaufes in Moskau motivierte mich in anstrengenden Phasen des Lauftrainings. Disziplin ist oberstes Gebot, wenn man Erfolg im Sport haben möchte. In der Vorbereitung erzog ich mir Bescheidenheit an, indem ich auch in den Wintermonaten öfters im Freien auf der Terrasse übernachtete. Selbst wenn es schneite, blieb ich draußen. Ferner bestand meine Nahrung aus wenigen Grundnahrungsmitteln wie Vollkornbrot pur, Quark, Obst, Karotten und sonstiges Gemüse. Meine Hauptgetränke waren Apfelsaftschorle und die Ultra-Sports-Getränke-Serie. Der Nährwert der festen Nahrung war wichtig, Geschmack weniger. Ziel war es, meine Erwartung und Ansprüche runterzuschrauben, um gewappnet zu sein für die unterschiedlichen Gegebenheiten der zu durchquerenden Länder. Meine Ausrüstung für den Transeuropalauf glich ich mit den Erfahrungen vergangener Laufjahre ab. So benötigte ich unter anderem acht Paar Laufschuhe, zehn Sätze Laufbekleidung in kurz und halblang. Zwei Sätze langer Bekleidung für kalte Tage und Unmengen von Pflastern zum Schutz der Brustwarzen gegen Reibung. Ferner ist Fußbalsam und Vaseline unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung gegen Blasen an den Füßen, Hautabschürfungen an den Oberschenkelinnenseiten und unter den Achseln. Um einer Knochenhautentzündung keine Chance zu geben, schnitt ich sogar meine neuen Laufsocken jeweils vorne am Bund fünf Zentimeter ein, damit kein Druck am Schienbein entstand, der sich über 5036 Kilometer summieren und zur Entzündung entwickeln könnte. Zur Fußpflege gehört ebenfalls eine Nagelschere und eine Nagelfeile, um täglich selbst kleinen Blasen und Reibestellen vorzubeugen.

Das Rennen

Portugal: Der Startschuss zum längsten und vielleicht härtesten Wettrennen der Menschheitsgeschichte fiel am 19. April 2003 vor dem historischen Seefahrerdenkmal, dem "Torre de Belem", in der malerischen Hauptstadt Portugals namens Lissabon. Wir brachen unter großem Interesse der Medien zum längsten jemals veranstalteten Wettrennen zu Fuß auf. Die 37 Läufer und sieben Läuferinnen liefen die ersten acht Kilometer bis zum Hafen gemeinsam in der Gruppe ohne Zeitwertung. Nach der Überfahrt über den Fluss mit der Fähre begann die offizielle Zeitmessung. Bei den weiteren Etappen starteten wir in zwei Gruppen. Die erste langsamere Gruppe startete um 6:00 Uhr und die Schnelleren um 7:00 Uhr morgens. Daher war meist um 4:45 Uhr Wecken angesagt. Der frühe Start war vor allem in heißen Gefilden, wie Portugal, Spanien und Frankreich sehr angenehm, da wir in der Kühle des frühen Morgens loslaufen durften. Ich benötigte einige Etappen, um meinen Körper und meinen Verstand an diese Herausforderung zu gewöhnen. Man neigt dazu, die ersten Tage zu schnell zu laufen und sich mit den anderen an der Spitze mittels Zielsprints zu messen. Diesen Lauf kann man allerdings nur finishen, wenn man seine Kräfte exakt einteilt und nur von Etappe zu Etappe denkt. Dies wurde immer deutlicher, je länger das Rennen andauerte. Fast täglich fiel ein Läufer aus dem Rennen, weil er das Zeitlimit von zehn Minuten pro Kilometer überschritten hatte oder zu erschöpft zum Weiterlaufen war. Auch ich wurde etappenweise sehr langsam und kam weit hinter dem Tagesschnellsten ins Ziel. Der Körper pendelte seine Leistung allmählich ein und der Verstand entwickelte sich zur Vernunft. Die Balance zwischen Körper und Geist prägte sich nun aus. Der Tagesablauf wurde von fünf Worten bestimmt: Laufen, Essen, Trinken, Massage und Schlafen.

Spanien: In Spanien erlebten wir die heißesten Tage mit bis zu 38 Grad Celsius im Schatten. Nur hatten wir auf den Straßen selten Schatten durch Bäume oder Häuser. Der tägliche dichte Straßenverkehr war hier besonders gefährlich und lungenbelastend. Ich war froh, wenn wir Sonntag hatten, da an diesem Tag keine Lastwagen fuhren und der Berufsverkehr ausblieb. Besondere Strapazen durchlitten wir beim Durchqueren der Pyrenäen, da die ohnehin müden Muskeln hier extrem durch die Höhenmeter in der Hitze beansprucht wurden. Nur dank der besonnenen Kräfteeinteilung gelang mir ein würdiges Ankommen im täglichen Etappenziel.

Frankreich: In Frankreich begann die Schlechtwetterphase. Wir hatten morgens die ersten Stunden beinahe täglich Nebel und Regen. Dies forderte die Funktionalität unserer Bekleidung stark heraus. Der Bewegungsapparat benötigte bei diesen niedrigen Temperaturen meist zwei bis drei Stunden, bis er geschmeidig funktionierte. Aber selbst Hagelschauer hielten mich nicht davon ab, das Abenteuer Transeurope-Footrace zu genießen. Das Essen war, wie man es in Frankreich kennt und immer wieder hört, ein Festmahl. Das Angebot war reichlich und vielfältig. Wer mochte, wurde allabendlich mit köstlichem Rotwein versorgt. Besonders habe ich mich über die Begeisterung einer älteren Dame gefreut. Sie kam wohl gerade mit dem Fahrrad vom Einkaufen. Als sie Martin Wagen und mich laufen sah, hielt sie spontan an, klatschte uns Beifall und feuerte uns energisch an. Solche Erlebnisse sind die Anstrengungen des Tages wert.

Belgien: Besonders die Bauweise der Häuser und das verwendete Ziegelsteinmaterial fiel mir in Belgien auf. Die Dörfer haben dadurch etwas Gemütliches. In Belgien blieb mir der zweite Abend in Erinnerung, wo uns das Unternehmen Bayer AG zum Dinieren in ein kleines, feines Restaurant einlud und auch die Getränkekosten übernahm. Ich saß in einer netten kleinen internationalen Runde mit Hans-Jürgen Schlotter aus Deutschland, Andrej Gondas aus der Slowakei und Carlos Alberto Machado aus Brasilien. Endlich einmal hatten wir auch andere spannende Themen außer dem Laufen diskutiert. Hans-Jürgen hatte als Landschaftsgärtner viel zu erzählen, Carlos ist Pilot von Passagier-Flugzeugen und Andrej hilft bei der Obsternte in Südtirol.

Deutschland: In Deutschland hatten der Gesamtzweite, Martin Wagen aus der Schweiz, und ich einen Friedenspakt geschlossen. Wir einigten uns darauf, die deutschen Etappen zusammen zu laufen. Ziel war es, die Kräfte zu schonen, weil so Positionskämpfe ausblieben und der Gegenwind jeweils nur einem ins Gesicht blies. So konnten wir den Abstand zu den Verfolgern fast täglich um eine halbe Stunde ausbauen, um uns in Polen dann zu zweit einen definitiven Show-Down liefern zu können. Das gleichmäßige Tempo in diesen Tagen der "Zweisamkeit" ermöglichte uns lange Gespräche und wir erzählten uns lustige Anekdoten. Immer wieder standen begeisterte Zuschauer am Straßenrand, die klatschten oder uns fotografierten. Apropos fotografieren: Immer wieder fuhren TV-Sendewagen neben uns her und im Ziel interviewten mich Journalisten. Ferner wurden wir vom ARD-Morgenmagazin fast täglich begleitet. Hier konnten die Zuschauer in Deutschland das Rennen und die Begleitumstände live miterleben. Die Bildzeitung betitelte mich mit "Laufgigant", die Nürnberger Nachrichten nannten mich den "Grenzüberschreiter" und etliche Zeitungen berichteten von der Herausforderung des längsten Rennens seit Menschengedenken. Der Medienrummel war eine schöne neue Erfahrung für mich und eine enorme Steigerung des Bekanntheitsgrades für den Ultramarathonlauf in Europa.

Polen: In Polen wurde Dusan Mravlje, dem Sieger des Transamerikalaufes in 1995 und seiner 24jährigen Tochter Neza, dem Klischee entsprechend in der ersten Nacht das Auto aufgebrochen. Viele Helfer und Läufer machten sich schon Sorgen, was uns in den nächsten Tagen noch alles zustoßen würde. Aber die Befürchtungen erfüllten sich nicht. Die Polen sind sehr interessiert gewesen am Transeuroparennen und waren äußerst gastfreundlich. Nahezu jeden Abend wurden wir vom ansässigen Bürgermeister empfangen und zum reichhaltigen, wohlschmeckenden Abendessen eingeladen. Begleitet wurde das jeweilige Festmahl immer von netten Volkstanzvorführungen oder Musikdarbietungen der Bevölkerung. Zum Frühstück gab es wie in allen Etappenorten meist reichlich Brot oder Brötchen, dazu Marmelade und Käse, manchmal Wurst und immer Kaffee zur Stärkung. Wer allerdings recht spät zum Tresen kam, ging auch schon mal leer aus, da einige Mitreisende sich aus dem Frühstücksfundus auch für den Nachmittag Vorräte angelegt hatten.

Weißrussland: Die problematischsten Umstände hatten wir in Hinsicht auf Nahrung, Unterkunft und Hygiene im äußerst armen Weißrussland. Wir hatten abends zwar reichlich, aber qualitativ minderwertiges Essen zur Verfügung. Oft gab es keine Supermärkte vor Ort, so dass wir uns auch in der Nahrungsmenge beim Frühstück beschränken mussten. Abends gab es statt Nudeln, Obst und Gemüse nur Pommes und zähes, fettiges Fleisch. Wir übernachteten in teilweise abbruchreifen Turnhallen und waren manchmal in Herbergen untergebracht, deren Mobiliar schon einige Generationen ohne Möbelpflege überstanden hatte. Es war hier sehr unhygienisch. Ich zog es vor, möglichst nichts anzufassen und vermied es ferner, die stark verschmutzen Toiletten zu benutzen. Selbst duschen war nur per Anreise in Waschhäuser möglich. Diese Anlagen waren sehr ungepflegt und das bräunliche Duschwasser stank meist nach Rost.

Russland: Russland ist in meinen Erinnerungen das Land der inneren Leere. Durch die vielen harten Lauftage bedingt, sehnten meine Kameraden und ich nur noch das Ziel in Moskau herbei. Es war nach so vielen Tagen nur schwer möglich, positive Gedanken beim Laufen zu fassen und das Gehirn mit Erlebnissen zu füllen. Das monotone Laufen auf dem Standstreifen der Autobahn forderte unser Gemüt aufs Ganze. Ferner war es hier wichtig, den Boden ständig konzentriert im Auge zu behalten, um nicht zu stolpern und so am Ende verletzt aus dem Rennen auszuscheiden. Ständig waren riesige Schrauben und Nägel in den Asphalt gebohrt, die einige von uns, und auch mich, stürzen ließen. Ich trug Abschürfungen an den Innenflächen der Hände davon. Damit konnte ich leben. Manfred Leismann, der Ideengeber des Transeuropalaufes und Mitläufer, musste am vorletzten Tag nach einem heftigen Sturz aufs Kinn noch im Krankenhaus genäht werden. Trotzdem entwickelte sich eine leichte Freude, je näher wir dem Zieleinlauf kamen. Am Platz des Sieges in Moskau war es dann soweit. Die letzte Etappe war nur 9.6 Kilometer lang und wurde als Gruppenlauf ohne Zeitnahme absolviert. Schon hier wurden wir von Journalisten und Fernsehteams begleitet. Am Platz des Sieges wurde ich überwältigt von der Anwesenheit von dutzenden Presseleuten und vielen Zuschauern. Dafür alleine hat es sich gelohnt, die Strapazen auf sich zu nehmen. Ich gewann das Transeuroparennen in 480 Stunden und 29 Minuten. Zweiter wurde Martin Wagen aus Basel mit gut 14 Stunden Rückstand. Ich betrachte jeden der 22 Finisher als einen Sieger. Jeder der Glücklichen, die am Kreml geehrt wurden, hat Außergewöhnliches geleistet. Als Anerkennung dafür erlebten wir in Moskau eine tolle Abschlussfeier, gesponsert von Bayer. Der mir überreichte Pokal war fast so groß wie ich.

Partner und Voraussetzungen

Ich konnte diesen Lauf über 5.056 km in 480 Stunden gewinnen, da ich mich in vielen Parametern professionell vorbereitet habe: Mein Freund, der Extremradfahrer Hubert Schwarz, ist ein erfahrener Mentaltrainer und vielbeachteter Buchautor. Er lehrte mich bei langen Läufen und Sitzungen in neurolinguistischem Programmieren, positives Denken und Autosuggestion. Mein Lauftraining erhöhte ich stetig auf bis zu 520 km in der Woche mit Betreuung durch Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler). Hierbei achteten wir besonders auf den stetigen Wechsel von Be- und Entlastungsphasen, um dem Körper Zeit zum regenerieren zu geben und damit er sich an die neuen Niveaus adaptieren konnte. Bei bis zu vier Trainingseinheiten pro Tag mit überwiegend langen, langsamen Dauerläufen und teilweise sehr schnellen Tempoläufen konnte ich meinen Körper an die bevorstehende Herausforderung gewöhnen. Gelaufen bin ich überwiegend auf Asphalt, da der Transeuropalauf ebenfalls zu 99 Prozent auf Asphalt gelaufen wurde. Zum Beispiel liefen wir in Weißrussland und Russland fast ausnahmslos auf dem Seitenstreifen der Autobahn. Abgerundet wurde das Lauftraining mit Massagen, Physiotherapie und Ausgleichsgymnastik für Rücken und Bauch. Mein Körper sollte komplett trainiert sein, damit das Ziel, Moskau mit einem Lächeln zu erreichen, ein wenig wahrscheinlicher wurde.

Bei 5.000 Kilometern wird vor allem die Wirbelsäule enorm belastet. Deshalb ist der Muskelaufbau des Stützapparates von Bedeutung. Mehrere Test- und Qualifikationsläufe, wie der 24-Stundenlauf in Fellbach-Schmiden und der Spreelauf über 420 Kilometer in sechs Tagen, den ich gewann, sollten mein Selbstvertrauen stärken und mich für die Teilnahme am Transeuropalauf qualifizieren. Hier konnte ich erste Erfahrungen im Extrembereich sammeln und diese für den bevorstehenden Mammutlauf positiv einsetzen. Zusätzlich kam eine Ernährungsumstellung auf vegetarische Kost mit hinzu. Diese Maßnahme bewirkte eine Gewichtsreduktion von zehn Kilogramm. Fett wurde so abgebaut und Muskelmasse aufgebaut Ich habe bis vor zwei Jahren ferner noch 30 Zigaretten geraucht und im Schnitt täglich vier Bier konsumiert. Da ich unbedingt am Transeuropalauf teilnehmen wollte, war mir wichtig, gut vorbereitet zu sein. Ich strich Alkohol und Zigaretten aus meinem nun gesünderen und glücklicheren Leben. Um die nötige Zeit für Training und Planung zu haben, kündigte ich meinen Job als Augenoptikermeister und Filialleiter. Ein Jahr Berufspause investierte ich gerne für mein sportliches Lebensziel. Meine Rücklagen aus vergangenen Jahren finanzierten mir die Vorbereitungszeit und das nötige Material. Mein neugewonnener Sponsor, BÄR Schuhe zum Wohlfühlen, unterstützte mich zusätzlich in der Etatverwirklichung beispielhaft und fertigte mir vor allem spezielle Laufschuhe mit optimaler Dämpfung und Haltbarkeit an. Besonderen Rückhalt gab mir meine Familie durch Frau Ursula und die Kinder Oliver, vier Jahre, und klein Franziska mit nun fünf Monaten. Mir war natürlich bewusst, dass ich mich immer auf einem schmalen Pfad der Toleranzgrenze befand und wir planten viel Zeit für Gespräche ein. Gerade die intensive Kommunikation in der Vorwettkampfphase sorgte für ideales Verständnis der Bedürfnisse und Ziele beider Partner. Ihnen allen gebührt mein unschätzbarer Dank für diese Rückenstärkung und Basis meines Erfolges. Ohne ein funktionierendes Team wäre das Ankommen in Moskau sicherlich mit mehreren Fragezeichen verbunden gewesen. Das Team gab Planungssicherheit und Zuversicht.

Warum habe ich mir so etwas angetan? Motivation

Mit dem Transeuropalauf wollte ich meine physischen und psychischen Grenzen kennen lernen. Mich mit der Weltspitze als Debütant zu messen war mein Ziel. Und mit einem Lächeln laufend in Moskau ankommen war mein Traum. Es ist mir gelungen! Das Privileg zu besitzen, sich für so ein Ultra-Event qualifiziert zu haben allein war schon Motivation genug, diese Strapazen auf sich zu nehmen. Meine Begeisterung für das Laufen war die Triebfeder. Die Leidenschaft zur Natur war mein Kraftspender und die Suche nach dem Extremen ist meine Erfüllung. Die Kraft des Willens wollte ich bestätigen. Mein Motto: "Ich kann es, ich will es und ich schaffe es" suchte nach Bestätigung. Ich wollte in diesem harten Rennen mein Potential entfalten und durch diese unglaubliche Leistung beweisen, dass man mittels innerer Stärke nahezu jedes Ziel erreichen kann. Denn: "Erfolg ist machbar!" Jeder Mensch sollte Visionen haben. Das Leben ist viel zu kurz, um nichts daraus zu machen. Wer durch Träume motiviert ist, wer diszipliniert ständig in Etappen daran arbeitet, ein Ziel zu erreichen, der wird es schaffen! Plane den Erfolg! Das Ziel muss im Kopf sein, denn der Horizont verheißt nur Unendlichkeit. Mit der Kraft der Gedanken kann man nahezu alles schaffen und jedes Ziel erreichen.

Fazit und Pläne

Der Transeuropalauf war der längste und für mich persönlich der vielleicht härteste Wettlauf, der jemals auf diesem Globus stattfand. Nun werde ich es genießen, davon berichten zu dürfen und eine Weile im reduzierten Umfang zu laufen, damit mein Körper sich von den Strapazen ganz erholen kann. Ich habe ferner eine neue berufliche Herausforderung gefunden, auf die ich mich nun mit Freude vorbereite, um einen optimalen Einstieg zu finden. Das Laufen betreffend, habe ich einen weiteren Traum in meinen Gedanken: Ich würde gerne als erster Mensch um die Welt rennen. Ich stelle mir eine interessante Route von etwa 22.000 Kilometer Landweg vor, die ich in 220 Tagen erlaufen möchte. Wann ich mir diesen Traum erfülle, ist nicht so wichtig, aber dass ich ihn einmal verwirkliche, davon bin ich überzeugt.

Quelle:
condition

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