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Energiepflege für den Läufer

Das Geheimnis des Qi Gong

Von Birgitt Filatzek

„Qi Gong“ – was ist das? Der Begriff „Qi Gong“ (sprich: „tschi-gung“) fällt immer dann, wenn es um Entspannungstechniken geht, wenn von Meditation, Yoga, Atemtechnik oder „sanfter Fitness“ die Rede ist. Was aber ist dran am Qi Gong? Irgend etwas muss es sein: Die lebende Ballett-Legende Marcia Haydée zum Beispiel schwört auf Qi Gong, wenn es darum geht, neue Energie zu tanken. Und auch in Fitness-Studios, Wellness-Hotels und Volkshochschulen sind inzwischen nicht mehr nur Power-Kurse gefragt, sondern ebenso die leisen Töne des Qi Gong. „Fernöstlicher Schnickschnack – nichts für mich“, mag sich da so mancher Läufer sagen. Andererseits weiß wohl jeder, wie beschwerlich das Lauftraining ist, wenn die Koordination von Bewegung und Atmung fehlt. Bestes Beispiel dafür sind Seitenstiche. Mit dieser unangenehmen Erfahrung im Gepäck ist man dem Qi Gong aber schon viel näher als man denkt. Denn Qi Gong lebt von der Konzentration auf Atmung und Bewegung!

Quelle:
Running - Das Laufmagazin
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Die Lebensenergie des Qi

Der Reihe nach: Die über 2.000 Jahre alte Technik des Qi Gong hat – wie fälschlicherweise oft vermutet wird – nichts mit Esoterik zu tun. Vielmehr gehört Qi Gong zu den Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Und auch wer mit dieser Medizin normalerweise nichts „am Hut hat“, kennt dennoch mindestens eine ihrer Heilmethoden: die Akupunktur. Sie ist die in der westlichen Welt wohl populärste und anerkannteste „alternative“ Therapieform. Doch gleichgültig ob Akupunktur oder Qi Gong – die Idee, die beiden zu Grunde liegt, ist dieselbe: In der TCM steht das so genannte „Qi“ im Mittelpunkt. „Qi“, das ist die vitale Lebensenergie, die nach chinesischem Verständnis alles beherrscht – von der Ernährung über die Medizin bis hin zur Lebenseinstellung. „Qi“ fließt in jedem Baum, in jedem Berg und in jedem Fluss – ebenso wie in jedem Menschen. Ein wenig erinnert dieser Begriff des „Qi“ auch an ein Wort, dass bei uns nur noch selten verwendet wird: den „Odem“ oder „Lebenshauch“.

Nach Grundlegung des Qi Gong beziehungsweise der TCM strömt die Lebensenergie des „Qi“ in unserem Körper auf bestimmten Bahnen, den so genannten „Meridianen“, wobei jede dieser Bahnen mit einem Körperorgan korrespondiert. Zudem sammelt sich das Qi bevorzugt in bestimmten Orten, den Qi-Zentren. Das wichtigste, der untere „Dan Tian“, liegt übrigens drei Finger breit unterhalb des Bauchnabels.

Aktivierung und Pflege der Körperenergie

Qi Gong heißt übersetzt soviel wie „Pflege des Qi“. Das bedeutet, dass mittels bestimmter Übungen die Qi-Zentren stimuliert und die Qi-Zirkulation im Körper gestärkt werden sollen. Eine Idee, die auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig scheint. Dennoch: Eigentlich kennt jeder Läufer das Erfolgsgeheimnis von körperlicher und mentaler Balance. Ähnlich heißt es im Qi Gong: „Geist und Qi sind der König, Knochen und Muskeln nur der Hof“! Ganz in diesem Sinne setzt Qi Gong auf einen Mix aus Konzentration, bewusster Atmung und langsamen, fließenden Bewegungen. Sie sollen die feinstofflichen Energieströme und Energiefelder im Körper aktivieren, die den grobstofflichen Prozessen in Gewebe, Muskeln und Organen zu Grunde liegen. Mit anderen Worten: Hier werden nicht nur einzelne Körperregionen oder Organe angesprochen, sondern komplexe physiologische Prozesse angestoßen

Sie sind skeptisch? Okay, dann probieren Sie doch folgendes einmal aus: Schließen Sie die Augen und achten Sie auf Ihren Atemfluss. Nun ziehen Sie die Stirn in Falten, als ob Sie angestrengt über etwas nachdenken oder verärgert sind. Beobachten Sie Ihren Atem: er stockt wahrscheinlich. Jetzt entspannen Sie Ihr Gesicht ganz bewusst. Denken Sie an ein schönes Erlebnis und lächeln Sie in sich hinein. Wenn Sie nun Ihrem Atem nachspüren, werden Sie feststellen, wie er sich verändert, wie er wieder tief und ruhig wird... Gratulation, jetzt haben Sie schon eine ungefähre Vorstellung davon, was es bedeutet, das Qi im Fluss zu halten!

Die sanften Übungen

Erscheint Ihnen diese Übung des „Inneren Lächelns“ ein bisschen zu simpel? Stimmt genau! Viele Qi Gong-Übungen sind auf den ersten Blick wirklich keine akrobatischen Herausforderungen. Im Gegenteil: Die scheinbar einfachen Haltungen sind der Grund dafür, dass die Wirkungen des Qi Gong häufig unterschätzt werden. Die Übungen sind sehr sanft und scheinbar ohne Anstrengung durchzuführen. Viel wichtiger als ein beeindruckendes Repertoire sind beim Qi Gong ein dauerhaftes, regelmäßiges Training und die exakte Ausführung der Übungsfolgen, wobei es vor allem darum geht, „im Fluss“ zu bleiben.

Qi Gong lernt man am besten nicht aus Büchern, sondern bei einem guten Lehrer. Allerdings: Da es keine anerkannte beziehungsweise einheitliche Ausbildung gibt, kann sich die Suche nach eben diesem manchmal schwierig gestalten. Als Faustregel sollte man deshalb folgendes beherzigen: Ungeeignet sind in der Regel Übungsleiter, die über ihr Kursprogramm hinaus nur wenig Kenntnisse der chinesischen Philosophie und Medizin mitbringen. Und: Da für den Fluss des „Qi“ auch die Umgebung eine Rolle spielt – Profis bevorzugen oft die frühen Morgenstunden in der freien Natur – sollte man auf Kurse verzichten, die in großen Gruppen oder gar in unpersönlichen Turnhallen stattfinden. Wie wär´s? Könnten Sie nicht auch ein bisschen gutes „Qi“ gebrauchen? Dann legen Sie doch einfach los!

Qi Gong als Therapie

Als Entspannungsmethode kann regelmäßig ausgeübtes Qi Gong helfen, Disharmonien zu überwinden und das Immunsystem zu stärken. Neben dieser Vorbeugung kann es aber auch bei der Heilung bestimmter Erkrankungen oder Verletzungen helfen. Im Zusammenspiel mit den anderen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin wie Akupunktur, Ernährungstherapie, Tuina-Therapie – dazu gehört zum Beispiel Chirotherapie, Bindegewebsmassage oder Akupressur – und vor allem zusammen mit der Anwendung bestimmter Arzneistoffe erzielt Qi Gong gerade bei chronischen Beschwerden überdurchschnittlich gute Erfolge. Läufer, die im schulmedizinischen Sinne „austherapiert“ sind, können mit der TCM neue Hoffnung schöpfen. Eine seriöse Anlaufstelle dafür ist zum Beispiel die erste deutsche Klinik für TCM in Kötzting im Bayerischen Wald. In einem bundesweit einmaligen Modellversuch praktizieren hier seit über zehn Jahren chinesische Ärzte Seite an Seite mit deutschen Schulmedizinern. Behandelt werden neben Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch Knie- und Muskelschmerzen, Bandscheibenschäden, Gelenkentzündungen (Arthritis), Schulter-Arm-Syndrome (Tennisellenbogen), Achillessehnenschmerzen und vieles mehr.

Quelle:
Running - Das Laufmagazin

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