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Björn Friedrich
Quelle:
Björn Friedrich

  • Kampfkunst-Lehrer
  • Repräsentant der Harris International Grappling Association für Deutschland
  • Gründer von Fighter-Fitness
  • Submission Wrestling Europameister 2003

www.fighter-fitness.com

Die Angst vor der Erschöpfung

von Björn Friedrich

Jeder Sportler hat irgendwann in seiner Karriere schon einmal das Gefühl kennen gelernt, sich so zu verausgaben, dass er seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hat. Egal ob Kampfsportler, Läufer oder Radfahrer, wenn Sie zuviel in zu kurzer Zeit erreichen wollen, oder müssen, ist die Gefahr extrem groß, sich zu „overpacen“. Auch wenn Sie immer noch wollen, Sie können nicht mehr, Ihr Körper sagt nein, Ihre Koordination und ihre Feinmotorik haben sich schon lange verabschiedet und die Fähigkeit auch in Stresssituationen eines Wettkampfes entspannt und effektiv zu handeln, ist einfach nicht mehr existent.


Als Kampfsportler kenne ich dieses Problem natürlich auch. Gerade in einer Wettkampfsituation, bei der die körperliche und mentale Anspannung noch viel größer als im normalen Training ist, ist die Gefahr groß sich zu overpacen und die Angst nicht genug Ausdauer zu besitzen immer unterschwellig mit dabei.

Um die Leistung meiner Schüler und natürlich auch meine eigene Leistung in solchen anaeroben Stresssituationen zu verbessern, war und bin ich ständig auf der Suche nach den effizientesten Trainingsmethoden, die eigene Ausdauer, Atemtechnik und bewusste körperliche und geistige Entspannung zu verbessern.

Egal ob Intervalltraining, Hügelsprints, oder die Verbesserung der Koordination zwischen Atmung und Bewegung, all diese Dinge haben ohne Zweifel einen wichtigen Platz in der Vorbereitung auf körperliche Extremsituationen, aber Sie reichen nicht aus, um wirklich die Angst vor der Erschöpfung zu kompensieren.

Als ich vor einigen Tagen meine Prüfung zum braunen Gürtel im Brazilian Jiu Jitsu unter meinem Lehrer Roy Harris abgelegt habe, ging ich durch die intensivste körperliche Erfahrung meines Lebens. Über mehrere Stunden musste ich kämpfen, mich bewegen und bestimmte Aufgabenstellungen lösen, während meine Gegner rotierten und sich so immer erholen konnten.

Das Tempo war so extrem hoch, das ich mich fast andauernd im anaeroben Leistungsbereich befand und nie wirklich Zeit hatte mich zu erholen. Die Trainingseinheiten dauerten jeweils 90 Minuten und ich hatte in dieser Zeit, jeweils nur eine Pause von vier, bzw. drei Minuten, der Rest war wie gesagt Kampftraining mit extrem schnellem Tempo.

Ich überstand die Trainingseinheiten, ging an meine Grenzen, war kurz davor mich zu übergeben, aber beendete die Prüfung erfolgreich. In der letzten Trainingseinheit geschah jedoch etwas Seltsames. Ich verlor mehr und mehr die Angst vor der Erschöpfung und konnte meinen Atem wieder etwas besser kontrollieren. Verstehen Sie mich nicht falsch, es war extrem anstrengend und intensiv, aber ich konnte in diesem Chaos meiner Gefühle die Zuversicht finden weiter zu machen, was ich ja auch tat.

Nach der Prüfung war mir nicht zum Nachdenken zu mute, aber einen Tag später als ich alles reflektierte, wusste ich was passiert war. Ich bekam plötzlich eine völlig neue Sicht zum diesem Thema und diese Erfahrung wird mein Training und meine Unterrichtsmethoden prägen.

Was ist also passiert? Eigentlich ist es ganz einfach, jede Angst wird kleiner, wenn Sie sich Ihr stellen und die Konfrontation mit ihr suchen und genau das gleiche gilt auch für die Angst vor dem Overpacen, bzw. davor einfach nicht genügend Ausdauer zu haben. Alle Trainingsmethoden dieser Welt nützen nichts, wenn Sie nicht wirklich die Erfahrung machen sich völlig zu verausgaben und dann immer noch weiter machen und durch dieses Chaos hindurch schreiten. Der erhöhte Puls, die verstärkte Atmung in einer Wettkampfsituation das alles sind die Auswirkungen der eigenen Ängste und wenn Sie alles dafür tun diese zu vermeiden, wird Ihre Angst noch viel größer davor, denn Sie wissen ja das es Ihre einzige Chance darstellt. Sobald Sie überpaced sind ist es vorbei, sie müssen aufgeben, so zumindest Ihre Erfahrung.

Aber genau darin liegen das Problem und auch die Lösung. Stellen Sie sich vor Sie müssten über einen 25 cm breiten Holzsteg laufen, nicht wirklich breit, aber auch nicht zu dünn um darauf zu balancieren. Der Steg führt in 50 cm Höhe über ein Schwimmbecken, welches 4 Meter tief ist. Keine große Aufgabe oder?

Kommt darauf an ob Sie Schwimmen können oder nicht. Ein Schwimmer der keine Angst hat ins Wasser zu fallen, weil er leicht an den Rand des Beckens schwimmen kann, wird viel seltener herunterstürzen, als ein Nichtschwimmer für den dies, eine lebensgefährliche Situation darstellen würde.

Genau so verhält es sich auch mit dem Ausdauertraining. Wenn Sie wirklich eine extrem gute Ausdauer erreichen wollen, müssen Sie sich dem größten Feind der Ausdauer, der Erschöpfung stellen. Wenn Sie immer nur versuchen Energie zu sparen und Methoden entwickeln, die Ihnen helfen körperlich und geistig zu entspannen, bringt Ihnen dies überhaupt nichts, denn die Angst vor dem Unbekannten, vor der Erschöpfung wird Sie begleiten und wenn es dann, in einem Wettkampf darum geht, volle Leistung zu bringen, wird diese Angst noch viel größer und dominanter und führt dazu das Sie entweder gar nichts machen und völlig erstarren, oder sich komplett sinnlos verausgaben.

Wissen Sie was das Wichtigste ist? Sie müssen sich von dem Gedanken verabschieden, alles unter Kontrolle zu haben, denn genau das werden Sie nicht haben. Es gibt in jedem sportlichen Wettkampf ein Bereich in dem die Grenzen verschwimmen und genau diese Zone trennt erfolgreiche Athleten von weniger Erfolgreichen.

Es gibt keine 100prozentige  Kontrolle. Auch wenn Sie viel trainiert haben, ihre Vorbereitung perfekt war und alles so lief wie Sie es sich vorstellen, so gibt es doch keine Garantien. Kämpfen Sie, laufen Sie, schwimmen Sie, tun Sie das was Ihre Sportart erfordert und geben Sie gleich am Anfang auf.

Zum zweiten Teil von "Die Angst vor der Erschöpfung"

Quelle:
www.fighter-fitness.com

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Web www.feel-fit.com

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