Heute: Vom lieben Gott, von Zündkerzen und Bananen
Von Oliver Heuler
Der liebe Gott hat beim Entwurf der Evolution vergessen, die Menschen mit einem genetischen Algorithmus für den Golfschwung auszustatten:
Uns fehlen also motorische Programme wie fürs Gehen, Laufen oder Werfen. Nebstdem fehlt unserem Gehirn die Kompetenz, diesen Mangel auszugleichen - zumindest, wenn man Golf nur als Teilzeitbeschäftigung nachgeht. Es überrascht also nicht, wenn das Golferlebnis der meisten enttäuschend ist, von einigen Glückstreffern abgesehen.
Die Leidensgeschichten gleichen sich:
Der Griff mit der linken Hand wird nie richtig erlernt und die Schlagfläche ist vom ersten Tag an offen. Die Bälle fliegen nach rechts; also zielt und schwingt der Golfer mehr nach links, so dass der Ball meist bananengleich links startet und mit einem hässlichen Slice ins Ziel zurückdreht. Die Schwungbahn von außen nach innen lässt den Schläger dabei steil in den Boden sausen und das schmerzt im Ellbogen, besonders weil wegen der schlechten Griffhaltung die Dämpfung fehlt. Um nun den Eintreffwinkel des Schlägers etwas abzuflachen und gleichzeitig die Schlagfläche weiter zu schließen, schlägt der Golfer beim Abschwung immer früher als gelte es Angelruten auszuwerfen.
Der Pseudofachmann verbrämt das mit dem Begriff "Überrollen", aber beides kommt aufs Gleiche raus: Die Bälle fliegen bisweilen sogar gerade, aber viel zu hoch und zu den wenigen Treffern gesellen sich fette Schläge, bei denen der Ball nicht ganz so weit fliegt wie das Divot. Tragischerweise verführen den Golfer die gelegentlichen Traumschläge zu dem Irrglauben, es mangele ihm nur an Wiederholbarkeit. Selbsternannte Mental-Experten haben nun leichtes Spiel und so verfestigt sich der Mythos, das Handicap läge nur im Kopf. Schlechte Schläge vertreiben zu wollen, indem man negative Erwartungen mit Autosuggestion in positive verwandelt, gleicht dem Versuch, einen Motor mit verbrauchten Zündkerzen zum Anspringen zu verhelfen, indem man sich den laufenden Motor beim Anlassen besonders intensiv vorstellt. Wer darin sein Heil sucht, hat das Handicap wahrscheinlich wirklich im Kopf.
Ich habe mir in dieser Artikelserie vorgenommen, Sie davon zu überzeugen, Ihre Zündkerzen zu wechseln. Zündkerzen wechseln heißt nicht Motoraustausch: also Griff, Stand, Haltung, Ausholen, Abschwung, Durchschwung - alles neu lernen. Auch Felgenpolieren bringt nichts, wenn der Motor nicht anspringt. Begegnen Sie also einem Golflehrer mit Argwohn, der Ihnen etwas von Balance, Rhythmus oder Ausrichtung erzählt, wenn der Ball slict. "Zündkerzen wechseln" ist vielmehr das Synonym für die Vorgehensweise, das zu reparieren, was unbedingt repariert werden muss, damit der Motor läuft, das heißt: der Ball fliegt.
Dazu gibt es drei Geheimnisse:
1. Die Schlagfläche soll während des Schwunges immer gerade sein.
2. Der Schläger soll sich in der richtigen Ebene bewegen.
3. Die Teilbewegungen der Hüften, Schultern, Arme und Handgelenke erfordern ein bestimmtes Timing.
Geheimnis: Schlagfläche
Geheimnis: Ebene
Geheimnis: Timing
Aus den Begriffen Schlagfläche, Ebene und Timing ergibt sich übrigens das Akronym SET und "to be all set" bedeutet im Englischen: startklar sein. In den folgenden Artikeln werden Sie lernen, welche Voraussetzungen man mit Griff und Handgelenken erfüllen muss, damit die Schlagfläche gerade bleibt, wie Stand, Haltung und Ballposition zu sein haben, damit die Voraussetzungen für einen Schwung auf der Ebene gegeben sind und wie man ein richtiges Timing lernen kann.
Über den Autor:
Oliver Heuler ist Golflehrer im Golfclub
Fleesensee und betreibt das größte deutsche Golfforum im Internet.
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